Auswahl einer Supply Chain Planungs-Software – Diese Fallen sollten Sie vermeiden

Auswahl einer Supply Chain Planungs-Software – Diese Fallen sollten Sie vermeiden

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Strategische Auswahl einer Planungs-Lösung

In der heutigen volatilen Supply Chain-Umgebung sind robuste Planungsfähigkeiten kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein Muss. Software verspricht weniger Firefighting, bessere funktionsübergreifende Abstimmung und die Erschließung von Margenpotenzial. Doch die falsche Lösung zu wählen – oder die richtige falsch einzuführen –, führt oft zu teuren Verzögerungen und verfehlten Erwartungen.

Der Markt für SCM-Software wird sich bis 2030 voraussichtlich fast verdoppeln. Hunderte von Anbietern buhlen um Aufmerksamkeit.[1, 2] Diese wachsende Vielfalt, kombiniert mit schnellen Updates und KI-basierten Zusatzfunktionen, macht die Software-Auswahl zunehmend komplex – und die Kostenprognose unsicher.

Basierend auf Projekterfahrungen in verschiedenen Industrien haben wir von TenglerConsulting die 8 häufigsten Fallen bei der Evaluierung und Auswahl von Supply Chain Planungs-Software identifiziert – und wie man sie vermeidet.

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Fallen

1. Die Annahme, Software löst Prozessprobleme

Ein weit verbreitetes Missverständnis: Die richtige Software behebt fehlerhafte Planung. In Wirklichkeit kann Software nur bestehende, funktionierende Prozesse verbessern. Ist der zugrundeliegende Prozess unklar, fragmentiert oder wird er nicht befolgt, digitalisiert die Software lediglich Dysfunktion. Ein reifer Planungsprozess ist die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung.

Best Practice: Stabilisieren und dokumentieren Sie Kernprozesse vor der Software-Auswahl. Rollen, Inputs und Entscheidungswege müssen klar sein. Software soll Klarheit und Effizienz erhöhen, nicht definieren, wie das Geschäft funktioniert. Ein funktionierendes Sales & Operations Planning oder – noch besser – Integrated Business Planning ist der Schlüssel, um das volle Potenzial einer Planungs-Software freizusetzen.

 

2. Start ohne klaren Use Case

Viele Initiativen starten mit dem vagen Wunsch nach besserer Planung – aber ohne klaren Fokus und Nutzenbewertung. Generische Lösungen wirken verlockend, bieten aber oft nicht die Funktionen, die spezifische Anforderungen oder dynamische Allokationsoptimierung abdecken.

Best Practice: Definieren Sie die zentralen Use Cases und Entscheidungspunkte, die die Software unterstützen muss. Beziehen Sie Fachbereiche früh ein, um kritische Pain Points zu identifizieren. Das schärft die Auswahlkriterien und verhindert teure Fehlentscheidungen.

 

3. Datenanforderungen unterschätzen

Viele Unternehmen glauben, dass die Software „unterwegs“ ihre Datenprobleme löst. In Wahrheit benötigen Planungs-aktuelle, strukturierte und verlässliche Daten. Schlechte Stammdaten, inkonsistente Formate oder fehlende Transaktionshistorien führen zu unzuverlässigen Ergebnisse und Misstrauen – unabhängig davon, wie modern die Software ist.

Best Practice: Prüfen Sie Ihre Datenreife vor der Implementierung. Identifizieren und beheben Sie Lücken in Stammdaten, Verantwortlichkeiten und Data Governance. Software verstärkt Datenqualität – sie repariert sie nicht.

 

4. Den Faktor Mensch übersehen

Selbst die leistungsstärkste Software scheitert, wenn die anwendenden Personen sie ablehnen. Unhandliche Oberflächen, unflexible Reports oder isolierte Funktionalität mindern Akzeptanz und Vertrauen. In der Software-Auswahl stehen oft nur Funktionalität und Kosten im Fokus. Nutzerfeedback wird übergangen – und führt später zu Widerstand.

Best Practice: Binden Sie Key User früh in die Software-Evaluierung ein, insbesondere in Usability-Tests und Fit-Gap-Analysen. Bevorzugen Sie intuitive Lösungen, die den täglichen Planungsalltag unterstützen – nicht nur Backend-Optimierung.

 

5. Auf Szenarioplanung verzichten

In unsicheren Zeiten müssen Unternehmen Alternativen schnell bewerten können – sei es bei internen Ereignissen oder externen Störungen. Viele Softwarelösungen setzen jedoch immer noch auf starre, statische Planungsansätze ohne flexible Was-wäre-wenn-Simulationen.

Best Practice: Wählen Sie Lösungen mit dynamischer Szenarioplanung. Anwenderinnen und Anwender müssen Alternativen modellieren, Auswirkungen vergleichen und funktionsübergreifend abstimmen können. Das ist entscheidend für strategische Entscheidungen.

 

6. Gesamtkosten unterschätzen

Lizenz- und Implementierungskosten sind nur die Spitze des Eisbergs. Anpassungen, Integration, Erweiterungen, Updates, Schulungen und Support treiben die Kosten nach oben – und mindern den Return on Investment (ROI), wenn sie nicht berücksichtigt werden. Mit der wachsenden Anbieterlandschaft, häufigen Feature-Releases und KI-Zusatzfunktionen wird die langfristige Kostenplanung immer schwieriger.

Best Practice: Bewerten Sie die Total Cost of Ownership über einen 3- bis 5-Jahres-Horizont. Berücksichtigen Sie Implementierung, Upgrades, externen Support und interne Ressourcen. Stellen Sie sicher, dass die Investition zur Planungsevolution und Roadmap passt.

 

7. Den Buzzwords verfallen

KI, Machine Learning und „autonomes Planen“ dominieren Anbieter-Pitches. In der Praxis brauchen diese Features stabile Muster, saubere Daten und eine klar definierte Logik. Ohne diese Basis sind Ergebnisse inkonsistent oder intransparent.

Best Practice: Fordern Sie konkrete Business Cases, Erklärbarkeit und Override-Funktionalitäten. Setzen Sie auf Software, die Planungs-Entscheidungen unterstützen und nicht ersetzt. Intelligente Assistenz schlägt Black-Box-Automatisierung.

 

8. Zukünftigen IT-Fit ignorieren

Oft orientieren sich Unternehmen bei der Software-Auswahl nur an ihrer aktuellen Systemlandschaft. Doch ihre IT wird sich verändern – durch Cloud-Migration, ERP-Modernisierung oder Data-Platform-Integration. Eine Software, die heute passt, kann morgen zur Last werden.

Best Practice: Achten Sie auf architektonische Flexibilität. Beobachten Sie digitale Trends und beziehen Sie Ihr IT-Team – insbesondere Enterprise-Architektinnen und -Architekten – früh ein, um langfristige Kompatibilität und Integrationsfähigkeit sicherzustellen. Die Software muss mit Ihrer Digitalstrategie wachsen.

Abbildung 1: Die 8 häufigsten Fallen bei der Auswahl einer Supply Chain Planungs-Software

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Fazit

Planungs-Software ist ein starke Enabler – aber nur, wenn Auswahl und Einführung strategisch erfolgen. Die falsche Wahl verzögert Ergebnisse, verschwendet Budget und untergräbt das Vertrauen der Stakeholder.

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen, politischen und klimatischen Unsicherheiten sowie der sich rasant entwickelnden Möglichkeiten (neue Anbieter, Software, Datenquellen etc.) ist es schwer, den Überblick zu behalten. Umso wertvoller ist externe Expertise. TenglerConsulting unterstützt Unternehmen dabei, passende Lösungen zu identifizieren und Fallen wie diese zu vermeiden – indem die Software-Auswahl mit Business-Prioritäten, Prozessreife, digitalen Anforderungen und IT-Strategie abgestimmt wird. Im nächsten Artikel beleuchten wir die kritischen Fehler bei der Implementierung – dort entscheidet sich, ob der wahre Wert realisiert oder verspielt wird.

 

 

Quellen:
[1] Introspective Market Research, 2024: Supply Chain Management Software Market | Industry Research Report [Aufgerufen: 7 August 2025].
[2] Horizon Grand View Research, 2024: Supply Chain Management Software – Enterprise Software Market Statistics [Aufgerufen: 7 August 2025].

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Weitere Insights

Im nächsten Artikel beleuchten wir die kritischen Fehler bei der Implementierung – dort entscheidet sich, ob der wahre Wert realisiert oder verspielt wird. Für weitere Informationen zur Optimierung Ihrer Supply Chain Planung werfen Sie gerne einen Blick in unsere Insights.

Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl der passenden Planungs-Lösung für Ihr Unternehmen. Kontaktieren Sie uns unter office@tenglerconsulting.com oder vernetzen Sie sich mit uns auf LinkedIn.

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